Mobilitätstraining (O&M)

Im Training für Orientierung und Mobilität (O&M) lernen Sie, sich mit dem weißen Langstock und Ihren Sinnen sicher und selbstständig zu bewegen – zu Hause, im Wohnviertel und in Bus und Bahn.

Aktualisiert am · 1 Min. Lesezeit

Was Sie im Training lernen

  • Stocktechniken: Pendeltechnik, Schleiftechnik und der Umgang mit Stufen, Treppen und Türen.
  • Orientierung: Wie Sie sich an Geräuschen, Bodenbelägen, Gerüchen, Luftzug und Leitlinien wie Hauswänden oder Bordsteinen orientieren.
  • Straßen überqueren: Verkehr hören und einschätzen, Ampeln mit Signaltongeber und Vibrationsfeld nutzen.
  • Bodenindikatoren: Rillen- und Noppenplatten an Bahnsteigen, Haltestellen und Querungen erkennen.
  • Öffentliche Verkehrsmittel: Haltestellen finden, ein- und aussteigen, im Bahnhof umsteigen.
  • Individuelle Wege: zum Einkaufen, zur Arbeit, zur Arztpraxis – die Strecken, die für Ihren Alltag wichtig sind.
  • Begleitetes Gehen: Wie Begleitpersonen richtig führen (Sie fassen die Begleitung leicht oberhalb des Ellbogens und gehen einen halben Schritt dahinter).

So beantragen Sie das Training

  1. Lehrkraft finden: Adressen nennt der Blinden- und Sehbehindertenverein Ihres Bundeslandes oder der Berufsverband der Rehabilitationslehrerinnen und -lehrer.
  2. Verordnung: Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt verordnet Langstock und Einweisung in den Gebrauch (Mobilitätstraining).
  3. Kostenvoranschlag: Die Lehrkraft schätzt nach einem Erstgespräch den Stundenbedarf und erstellt einen Kostenvoranschlag.
  4. Antrag bei der Krankenkasse: Verordnung und Kostenvoranschlag einreichen. Die Kasse muss innerhalb von drei Wochen entscheiden, bei Einschaltung des Medizinischen Dienstes innerhalb von fünf Wochen.
  5. Bei Ablehnung: Innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen. Beratungsstellen helfen dabei.

Den passenden Langstock finden

  • Die Länge richtet sich nach Körpergröße, Schrittlänge und Technik; meist reicht er bis etwa zum Brustbein.
  • Es gibt verschiedene Spitzen: Rollspitzen gleiten gut über unebenes Pflaster, Keramik- oder Kugelspitzen geben ein deutliches Tastsignal.
  • Faltbare Stöcke passen in die Tasche, starre Stöcke übertragen Tastsignale etwas direkter.
  • Ein Ersatzstock für den Notfall ist sinnvoll.

Nach dem Training

Üben Sie neue Wege anfangs zu ruhigen Tageszeiten. Ergänzend können Navigations-Apps helfen, Ziele zu finden – sie ersetzen aber nicht den Langstock. Mehr dazu unter Navigations-Apps.

Häufige Fragen

Brauche ich einen Langstock, wenn ich noch etwas sehe?

Das kann sinnvoll sein – etwa bei Gesichtsfeldausfällen, Nachtblindheit oder in unbekannter Umgebung. Der Stock ertastet Hindernisse und Stufen, die Sie sonst übersehen, und zeigt anderen, dass Sie schlecht sehen. Viele Menschen nutzen ihn zunächst nur in bestimmten Situationen.

Wer bezahlt das Training?

In der Regel die gesetzliche Krankenversicherung, denn die Einweisung in den Gebrauch des Langstocks gehört zur Hilfsmittelversorgung. Die Rehabilitationslehrkraft erstellt meist einen Kostenvoranschlag, den Sie zusammen mit der ärztlichen Verordnung bei der Kasse einreichen.

Persönliche Beratung finden

Blinden- und Sehbehindertenvereine, EUTB-Stellen und Selbsthilfegruppen beraten kostenlos – oft von Menschen, die selbst sehbehindert sind.