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Mobilität & Reisen
Langstock-Tipps für den Alltag
Der weiße Langstock ist das wichtigste Mobilitätshilfsmittel für blinde und viele sehbehinderte Menschen. Diese Tipps ergänzen das Mobilitätstraining – sie ersetzen es aber nicht.
Veröffentlicht am · Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit
Grundlagen: Rhythmus und Pendelbreite
Bei der Pendeltechnik wird der Stock gleichmäßig vor dem Körper hin- und herbewegt, meist etwas breiter als die Schultern. Der Stock tippt oder gleitet dabei immer auf der Seite auf, auf der der jeweils andere Fuß gerade nach vorn geht. So prüft er den Boden, auf den Sie als Nächstes treten. Wichtig ist ein gleichmäßiger Rhythmus – er macht das Gehen entspannter und die Rückmeldungen besser lesbar.
Tipp-Technik: Der Stock setzt links und rechts kurz auf. Die Tippgeräusche geben zusätzlich akustische Informationen über die Umgebung.
Schleif- oder Gleittechnik: Die Spitze bleibt am Boden. So werden Kanten, Stufen und Bodenwechsel zuverlässiger erfasst, etwa an Bahnsteigen.
Diagonaltechnik: Der Stock wird schräg vor dem Körper gehalten, zum Beispiel in vertrauten Innenräumen. Sie schützt weniger, ist aber unauffälliger.
Den passenden Stock finden
Länge: Sie richtet sich nach Körpergröße, Gehtempo und Technik. Die Rehabilitationslehrkraft misst sie im Training aus.
Faltbar oder starr: Faltstöcke passen in Tasche und Rucksack. Starre Stöcke übertragen Tastsignale etwas direkter und sind robust.
Material: Leichte Stöcke aus Carbon oder Aluminium ermüden weniger. Fiberglas ist etwas flexibler.
Spitzen: Rollspitzen („Rollerball“, „Marshmallow“) gleiten gut über Fugen und Kopfsteinpflaster. Kleine Keramik- oder Nylonspitzen geben feinere Rückmeldung und klarere Tippgeräusche. Es gibt auch Spitzen für Schnee und unebenes Gelände.
Spitzen nutzen sich ab. Prüfen Sie sie regelmäßig und haben Sie eine Ersatzspitze und einen Ersatzstock griffbereit.
Treppen, Türen und Hindernisse
Treppe aufwärts: Der Stock wird senkrecht gehalten und tastet jeweils die nächste Stufenkante ab. Wenn er ins Leere stößt, ist das Ende erreicht.
Treppe abwärts: Der Stock wird vor dem Körper gehalten und tippt jeweils auf die nächste Stufe; hört das Aufsetzen auf, ist der Treppenabsatz erreicht. Nutzen Sie den Handlauf.
Türen: Der Stock findet Türrahmen und Klinken. Aufgehende Türen erkennen Sie oft an Luftzug und Geräuschen.
Hindernisse in Kopfhöhe wie Äste, Schilder oder Lkw-Spiegel erfasst der Stock nicht. Ein Mobilitätstraining zeigt Schutztechniken mit dem freien Arm; elektronische Zusatzgeräte können hier warnen.
Sich führen lassen
Bei Begleitung fassen Sie den Arm der Begleitperson leicht oberhalb des Ellbogens und gehen einen halben Schritt dahinter. So spüren Sie jede Richtungsänderung, Stufen und Engstellen früh. Den Stock können Sie in der anderen Hand weiter mitführen. Erklären Sie hilfsbereiten Menschen ruhig, wie Sie geführt werden möchten – schieben oder am Stock ziehen ist nicht hilfreich.
Wenn andere reagieren
Viele Menschen möchten helfen, wissen aber nicht wie. Ein freundliches „Danke, ich komme zurecht“ oder eine konkrete Bitte („Können Sie mir sagen, welche Linie das ist?“) klärt die Situation.
Der weiße Stock kennzeichnet Sie im Straßenverkehr. Fahrerinnen und Fahrer müssen besonders Rücksicht nehmen.
Manche Menschen haben Hemmungen, den Stock zu nutzen, weil sie noch etwas sehen. Der Stock ist aber gerade für Menschen mit Restsehvermögen ein Sicherheitsgewinn – besonders bei Dämmerung, Blendung und in fremder Umgebung.
Dranbleiben nach dem Training
Gehen Sie neue Wege anfangs zu ruhigen Tageszeiten und bei gutem Wetter.
Kombinieren Sie den Stock mit Geräuschen, Luftzug, Bodenbelägen und Gerüchen als Orientierungspunkte.
Nach einem Umzug, bei einem neuen Arbeitsweg oder wenn das Sehen nachlässt, können Sie weitere Trainingsstunden beantragen.
Navigations-Apps helfen, Ziele zu finden. Sie ersetzen nicht den Stock. Tipps: Navigations-Apps.
Blindenführhund beantragen: wer ihn bekommt, wie Ausbildung und Gespannprüfung ablaufen, was die Krankenkasse zahlt und welche Zutrittsrechte § 12e BGG garantiert.
Persönliche Beratung finden
Blinden- und Sehbehindertenvereine, EUTB-Stellen und Selbsthilfegruppen beraten kostenlos – oft von Menschen, die selbst sehbehindert sind.