Gesundheit

Sport und Bewegung mit Sehbehinderung

Vom Lauftreff bis Goalball: Sport bleibt mit Sehbehinderung möglich – oft mit kleinen Anpassungen, klaren Absprachen und der richtigen Begleitung.

Veröffentlicht am · 3 Min. Lesezeit

Warum Bewegung gerade jetzt wichtig ist

Sport stärkt Herz und Kreislauf, hält Gelenke beweglich und wirkt nachweislich stimmungsaufhellend. Für Menschen mit Sehbehinderung kommt hinzu: Wer sich viel bewegt, trainiert zugleich Orientierung, Gleichgewicht und Körpergefühl – Fähigkeiten, die im Alltag mit wenig Sehvermögen besonders gefragt sind. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) betont in seiner Sport-Übersicht, dass nahezu jede Sportart mit entsprechenden Anpassungen ausgeübt werden kann.

Der Einstieg muss nicht im Verein beginnen. Ein täglicher Spaziergang, Übungen aus dem Rehabilitationssport oder Schwimmen zu festen Zeiten sind erste Schritte. Wichtig ist vor allem Regelmäßigkeit – und die Rück­sprache mit Haus- oder Fachärztin bzw. Facharzt, wenn Vorerkrankungen bestehen.

Sportarten, die sich gut eignen

Viele Sportarten funktionieren ohne Sehen oder mit wenig Sehvermögen, weil sie ohnehin auf Rhythmus, Takt und Körpergefühl aufbauen:

  • Laufen und Walking: Auf bekannten Strecken, mit einer Begleitperson oder in Lauftreffs. Die Strecke vorher gemeinsam abschreiten, Gefahrenstellen wie Bordsteinkanten besprechen.
  • Schwimmen: Im Bahnenlauf an der Leine entlang orientieren; manche Bäder stellen ertastbare Markierungen am Beckenrand oder akustische Signale zur Verfügung.
  • Gymnastik, Yoga und Krafttraining: Übungen nach Ansage, taktile Korrektur durch die Kursleitung oder Audioanleitungen machen Kurse zugänglich.
  • Radfahren: Auf dem Tandem mit einer sehenden Person, organisiert über Tandem-Clubs und Sportvereine.
  • Judo: Wird seit Jahrzehnten von blinden Sportlern ausgeübt, weil der Kontakt zum Partner das Sehen weitgehend ersetzt.

Die DBSV-Landesvereine und ihre Sportabteilungen nennen weitere Beispiele – von Kegeln und Schach über Rudern bis Segeln.

Goalball und Torball: Sportarten mit Klingelball

Zwei Ballsportarten wurden eigens für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt. Beim Goalball, einer paralympischen Sportart, werfen zwei Mannschaften zu je drei Spielerinnen oder Spielern einen Ball mit Glocken in das gegnerische Tor. Die Verteidigung hört den Ball, wirft sich seitlich und blockt ihn mit dem ganzen Körper. Alle Spieler tragen Augenbinden, damit auch unterschiedliche Sehreste keinen Vorteil bringen.

Torball funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip und wird vor allem im deutschsprachigen Raum gespielt. Beide Sportarten brauchen keine teure Ausrüstung und werden von Blindensportvereinen regelmäßig angeboten – sie eignen sich gut für den ersten Vereinseintritt.

Blindenfußball: Tempo mit akustischen Signalen

Blindenfußball ist die bekannteste Ballsportart für blinde Akteure und gehört zum paralympischen Programm. Gespielt wird mit einem Ball, der Klingeln enthält und sich so akustisch verfolgen lässt. Die Spielfeldbegrenzung ist ertastbar abgeschirmt, und hinter dem gegnerischen Tor steht ein Guide, der den angreifenden Spielerinnen und Spielern Anweisungen zuruft. Laut Team Deutschland Paralympics beträgt die effektive Spielzeit zwei Mal zwanzig Minuten. Der DBSV bietet auf seiner Website eine verständliche Einführung in die Regeln.

Mit Guides sportlich werden

Im Leistungssport von Menschen mit Sehbehinderung sind Guides fester Bestandteil: Beim Lauf, im Radsport, im Skilanglauf und im Biathlon bilden Sportlerin bzw. Sportler und Guide ein Team. Auch im Breitensport hilft eine feste Begleitperson beim Einstieg. Gute Absprachen sind entscheidend: Ansagen für Richtung, Tempo und Hindernisse sollten vorher geklärt und gekürzt werden („Stufe hoch“, „Kurve links“, „frei“). Ein kurzes Verbindungsband oder das Fassen am Oberarm gibt zusätzlich Sicherheit.

Angebote und Ansprechpartner finden

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) betreibt die Plattform parasport.de mit einem bundesweiten Vereinsfinder, der gezielt nach Angeboten für Menschen mit Sehbehinderung filtert. Dazu kommen:

  • die Sportabteilungen der DBSV-Landesvereine und ihrer Mitgliedsvereine,
  • Rehabilitationssport­gruppen (Reha-Sport) auf ärztliche Verordnung, etwa nach Augenerkrankungen oder Operationen,
  • Tandem-Clubs und Lauftreffs, die Begleitläufe anbieten.

Fragen zu örtlichen Angeboten beantworten auch die Landessportbünde. Wer unsicher ist, ob eine Sportart infrage kommt, kann sich beraten lassen – die EUTB (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) vermittelt kostenlos weiter.

So gelingt der Einstieg

  1. Überlegen Sie, was Ihnen Freude gemacht hat – Bewegung bleibt nur dauerhaft, wenn sie Spaß macht.
  2. Klären Sie mit Ärztin oder Arzt offene gesundheitliche Fragen, etwa nach Operationen am Auge.
  3. Suchen Sie per Vereinsfinder oder über den DBSV-Landesverein ein Angebot in Ihrer Nähe.
  4. Sprechen Sie vor der ersten Stunde mit der Übungsleitung: Sagen Sie offen, was Sie sehen und wo Sie Unterstützung brauchen.
  5. Beginnen Sie langsam, feiern Sie kleine Fortschritte und bleiben Sie in einem festen Wochenrhythmus.

Sportangebote und Trainingsinhalte sollten auf Ihre individuelle Sehsituation abgestimmt sein. Bei Unsicherheiten wenden Sie sich an Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt.

Quellen und weiterführende Links

Persönliche Beratung finden

Blinden- und Sehbehindertenvereine, EUTB-Stellen und Selbsthilfegruppen beraten kostenlos – oft von Menschen, die selbst sehbehindert sind.