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Notfallkontakte

Wichtige Telefonnummern und Anlaufstellen für akute Situationen.

Illustration wichtiger Notfallkontakte und Telefonnummern

Notruf: 112

Bei akuter Gefahr für Leib und Leben sofort 112 wählen – rund um die Uhr, deutschlandweit und kostenlos.

Notrufnummern & Krisendienste

Allgemeiner Notruf (112)

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst – bei akuter Lebensgefahr oder Gefahr für Leib und Leben. EU-weit verfügbar, kostenlos aus allen Netzen. Auch per SMS möglich (siehe unten).

112

Ärztlicher Bereitschaftsdienst (116 117)

Medizinische Hilfe außerhalb regulärer Praxiszeiten, beispielsweise abends, nachts und an Wochenenden. Vermittlung an einen Bereitschaftsarzt oder eine Bereitschaftspraxis in Ihrer Nähe. Bei nicht lebensbedrohlichen, aber eiligen gesundheitlichen Problemen die richtige Alternative zur Notaufnahme.

116 117

Telefonseelsorge (evangelisch & ökumenisch)

Krisenhilfe rund um die Uhr, anonym, kostenlos, vertraulich und auf Deutsch sowie in mehreren Fremdsprachen. Geschulte Beraterinnen und Berater hören zu und helfen in akuten Krisen, bei Einsamkeit, Depression, Suizidgedanken oder der Verarbeitung einer neuen Sehbehinderungs-Diagnose. Auch Chat-Beratung online verfügbar.

0800 111 0 111

Telefonseelsorge (katholisch)

Die zweite, unabhängige Leitung der Telefonseelsorge. Gleiche Qualität, gleiche Vertraulichkeit, rund um die Uhr erreichbar. Bei hoher Auslastung der ersten Nummer hier anrufen. Auch diese Nummer ist kostenlos aus Festnetz und Mobilfunk.

0800 111 0 222

Nummer gegen Kummer – Seniorentelefon

Beratungsangebot speziell für ältere Menschen, die von Einsamkeit, Sorgen oder Krisen betroffen sind. Sehr relevant für ältere sehbehinderte Menschen, die mit dem Verlust der Sehkraft kämpfen. Kostenfrei, anonym und einfühlsam. Mo–Fr von 8 bis 22 Uhr erreichbar.

0800 111 0550

Nummer gegen Kummer – Kinder- und Jugendtelefon

Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre. Kostenlos und anonym. Bei Sorgen, Konflikten oder Krisen im Zusammenhang mit einer Sehbehinderung, Schulproblemen oder familiären Belastungen. Auch Chat- und E-Mail-Beratung verfügbar.

116 111

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Bundesweites, kostenloses und anonymes Beratungsangebot für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Mehrsprachig und barrierearm zugänglich. Auch für sehbehinderte Frauen, die in Pflege- oder Abhängigkeitsverhältnissen Gewalt erleben.

116 016

Opfer-Telefon (Weißer Ring)

Hilfe für Kriminalitätsopfer und Zeugen. Kostenlose, anonyme Beratung zu rechtlichen Schritten, psychologischer Unterstützung und lokalen Hilfsangeboten. Sehbehinderte Menschen können besonders von Betrug oder Ausbeutung betroffen sein – der Weiße Ring hilft weiter.

116 006

Behördennummer (115)

Der einheitliche Behördenrufdienst für alle Fragen an öffentliche Verwaltungen: Ämter, Anträge, Zuständigkeiten und Formulare. Hilfreich bei Fragen zu Schwerbehindertenausweis, Eingliederungshilfe, Wohngeld oder Pflegegrad. Mo–Fr 8–18 Uhr erreichbar, in vielen Regionen auch mit Rückrufservice.

115

DBSV-Service-Telefon

Allgemeine Beratung und Informationen rund um das Leben mit Sehbehinderung: Hilfsmittel, Rehabilitation, Rechtliches, Arbeitsplatzgestaltung. Kein Notdienst, aber eine wertvolle erste Orientierung bei Fragen, die nicht bis zum nächsten Termin warten können.

030 89 655 5-0

krisenchat.de – Digitale Krisenberatung

Online-Beratung per Chat für Menschen in psychischen Krisen. Anonym, kostenlos und ohne Wartezeit. Besonders geeignet für Menschen, die Schwierigkeiten beim Telefonieren haben – was bei Sehbehinderung und Screenreader-Nutzung dennoch gut funktioniert, da der Text-Barrierefreiheit Vorrang hat. Verfügbar 24/7.

www.krisenchat.de

Telefonseelsorge-Chat (online)

Die Telefonseelsorge bietet zusätzlich zur telefonischen Beratung auch einen schriftlichen Chat an. Dies ist besonders hilfreich für Menschen, die sich schriftlich besser ausdrücken können oder bei denen das Telefonieren Barrieren aufweist. Der Chat ist ebenfalls anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar.

www.online.telefonseelsorge.de

Reha-Krisen & Berufskrisen

Reha-Beratung der Rentenversicherung

Bei Krisen während oder nach einer medizinischen Rehabilitation (z. B. in einer Blindenreha-Einrichtung) bietet die Deutsche Rentenversicherung eine Reha-Beratung an. Sie hilft bei Konflikten in der Einrichtung, vorzeitigem Abbruch oder unklaren Weiterbehandlungsplänen.

0800 1000 480 070 (kostenlos)

BzSE – Berufsbegzungszentrum für Sehbehinderte und Erblindete

Das BzSE in Nürnberg bietet Beratung bei beruflichen Krisen im Zusammenhang mit Sehbehinderung – von drohender Erwerbsminderung bis zur beruflichen Neuorientierung. Auch psychologische Mitbetreuung wird vermittelt.

www.bzse.de · 0911 123 600

BSHD – Blinden- und Sehbehindertenhilfe Deutschland e. V.

Hilfe bei akuten sozialen Notlagen sehbehhinderter und blinder Menschen: Überbrückungshilfen, Vermittlung an örtliche Beratungsstellen und schnelle praktische Unterstützung bei Hilfsmittel-Ausfällen oder finanziellen Engpässen durch die Sehbehinderung.

www.bshd.de

Sehbehinderten-spezifische Notfälle – Verhaltenstipps

Eine Sehbehinderung bringt spezifische Notfallsituationen mit sich, die in allgemeinen Notfallratgebern oft fehlen. Hier finden Sie konkrete Handlungsanleitungen für die häufigsten Situationen.

Hilfsmittel-Ausfall (Brille, Lupen, elektronische Lesegeräte, Screenreader-Lizenz)

  1. Bei Brille/Lupen: Optiker kontaktieren – viele haben Notdienst oder können provisorisch eine Ersatzbrille aus dem Archiv leihen.
  2. Bei elektronischen Lesegeräten oder Bildschirmlesegeräten: Hersteller-Hotline anrufen (z. B. Reinecker Reha: 0711 945 60-0, Handy Tech: 07121 222 06-0). Oft ist ein Leihgerät innerhalb von 24–48 Stunden verfügbar.
  3. Bei Screenreader-Ausfall (JAWS, NVDA, VoiceOver): NVDA ist kostenlos unter nvaccess.org herunterladbar. Bei JAWS-Lizenzproblemen: VFO/Vispero-Support kontaktieren.
  4. Kostenübernahme: Bei gesetzlich Versicherten übernimmt die Krankenkasse oder das Sozialamt die Reparatur bzw. ein Leihgerät. Den Bescheid über die Hilfsmittelverordnung bereithalten.

Orientierungsverlust draußen – Was tun, wenn Sie sich verlaufen?

  1. Stehen bleiben und ruhig bleiben. Panik verschlechtert die Orientierung zusätzlich.
  2. Eine sichere Position suchen: Mauer, Hauswand oder Straßenrand als Orientierungslinie nutzen.
  3. Passanten um Hilfe bitten: „Können Sie mir bitte helfen? Ich bin sehbehindert und habe mich verirrt." Die meisten Menschen helfen gerne.
  4. Smartphone nutzen: Google Maps/Apple Maps mit Sprachausgabe gibt Schritt-für-Schritt-Anweisungen. Bei iPhone: Siri „Ich bin verloren" aktiviert Notfall-Features.
  5. Notruf vorbereiten: Wenn niemand in der Nähe ist, 112 wählen. Die Leitstelle kann Ihren Standort ermitteln (bei Mobilfunkzellen-Triangulation oder GPS-Übermittlung).
  6. Prävention: Bei bekannten Wegen immer eine Notfall-Kurzwahl speichern. Ein Blindenleitdog gibt zusätzliche Sicherheit. Orientierungstraining (O&M-Training) beim DBSV oder Reha-Zentrum buchen.

Plötzliche Verschlechterung des Sehvermögens

  1. Nicht warten – sofort handeln. Eine plötzliche Sehverschlechterung kann ein Notfall sein (z. B. Netzhautablösung, akuter Glaukomanfall, Augeninfektion).
  2. Augenklinik oder Augenarzt mit Notdienst aufsuchen. Bei Unklarheit: 116 117 (ärztlicher Bereitschaftsdienst) anrufen.
  3. Bei Verdacht auf Netzhautablösung (plötzlicher Blitz, Schatten, Vorhang): Sofort in die nächste Augenklinik – jede Stunde zählt!
  4. Begleitung organisieren: Nicht selbst Auto fahren! Verwandte, Nachbarn oder Krankenwagen (112) rufen.
  5. Medikamentenliste und Versichertenkarte bereithalten.

Notfall-Apps & digitale Helfer

Smartphone-Apps können im Notfall Leben retten – besonders für Menschen mit Sehbehinderung, die im Ernstfall möglicherweise nicht alle Informationen kommunizieren können. Diese Apps sollten Sie heute noch einrichten:

ICE – In Case of Emergency

Die bekannteste Notfall-App. Speichert Kontaktpersonen, Allergien, Medikamente und Diagnosen auf dem Sperrbildschirm. Für Rettungskräfte sofort zugänglich, ohne dass das Handy entsperrt werden muss. Besonders wichtig für Menschen mit Sehbehinderung, da sie im Notfall möglicherweise nicht selbst kommunizieren können.

Medical ID (Apple Health / Samsung Health)

Auf dem iPhone über die Health-App einrichtbar, auf Android über Samsung Health oder Google-Konto. Wird auf dem Sperrbildschirm angezeigt, wenn auf „Notfall" getippt wird. Vollständig barrierefrei mit VoiceOver und TalkBack bedienbar. Unverzichtbar für alle mit chronischen Erkrankungen.

Notfall-SMS an 112

Für Menschen, die nicht telefonieren können (z. B. bei Taubblindheit oder nach einem Unfall mit Sprachverlust), gibt es in vielen Bundesländern die Möglichkeit, Notrufe per SMS an die 112 zu senden. Die Verfügbarkeit variiert je nach Bundesland. Registrierung beim zuständigen Landratsamt erforderlich.

Find My / Google Standort teilen

Sowohl Apple (Find My) als auch Google (Standort teilen) erlauben es, den eigenen Aufenthaltsort dauerhaft mit Vertrauenspersonen zu teilen. Bei Orientierungsverlust können Angehörige so schnell helfen. Funktioniert auch, wenn die sehbehinderte Person das Smartphone nicht bedienen kann.

Der Notfallausweis für Sehbehinderte

Ein Notfallausweis enthält die wichtigsten medizinischen Daten, Diagnosen, Medikamente und Notfallkontakte. Er sollte immer mitgeführt werden – in der Brieftasche, als Karte im Handy oder als Armband. Für sehbehinderte Menschen ist er besonders wichtig, da Rettungskräfte im Ernstfall schnell wissen müssen, ob eine kommunizierte Einschränkung auf eine Sehbehinderung zurückzuführen ist oder auf eine Verletzung.

Kostenlose Vorlagen finden Sie bei notfallausweis.net und bei den großen Hilfsorganisationen (DRK, Malteser, Johanniter). Der DBSV und viele Landesvereine bieten zudem spezielle Ausweise an, die auf die Bedürfnisse sehbehinderter Menschen zugeschnitten sind – mit Großdruck, taktilen Elementen und einem Hinweis auf die Sehbehinderung für Ersthelfer.

Praxistipp: Tragen Sie den Notfallausweis zusammen mit dem Schwerbehindertenausweis in einem gut sichtbaren Etui. So wird er bei der Identitätsfeststellung automatisch gefunden.

Wichtige Hinweise:

  • Alle genannten Telefonnummern sind aus dem deutschen Festnetz und Mobilfunknetz kostenlos erreichbar.
  • Die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 und 0800 111 0 222) ist 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr erreichbar.
  • Bei Hör- oder Sprachbehinderung (z. B. Taubblindheit) ist der Notruf in vielen Bundesländern per SMS an 112 möglich. Informationen dazu bietet das Bundesministerium für Digitales und Verkehr sowie der zuständige Landkreis.
  • Speichern Sie alle wichtigen Nummern als Kurzwahl in Ihrem Handy – besonders wichtig bei Sehbehinderung, da das Wählen per Sprachbefehl (Siri, Google Assistant) im Notfall schneller geht.
  • Richten Sie Medical ID oder ICE auf Ihrem Smartphone ein – heute noch. Es dauert nur wenige Minuten und kann im Notfall Leben retten.
  • Wenn Sie einen Blindenleitdog haben: Notieren Sie die Kontaktadresse des Hundes (Tätowierung/Chip) im Notfallausweis. Im Krankenhaus muss der Hund versorgt werden.

⚠️ Bei Suizidgedanken:

Wenn Sie oder eine Person in Ihrem Umfeld akute Suizidgedanken haben, wählen Sie sofort die Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. In akuter Krisensituation auch 112. Sie sind nicht allein – es gibt Hilfe, rund um die Uhr.