Finanzielle Hilfen

Blindheit und Sehbehinderung verursachen Mehrkosten – für Hilfsmittel, Begleitung, Fahrten oder Unterstützung im Haushalt. Mehrere Leistungen gleichen diese Nachteile zumindest teilweise aus.

Aktualisiert am · 2 Min. Lesezeit

Landesblindengeld

Alle Bundesländer zahlen blinden Menschen ein Blindengeld. Es soll die Mehraufwendungen ausgleichen, die durch die Blindheit entstehen, und wird unabhängig von Einkommen und Vermögen gezahlt. Voraussetzungen, Beträge und die zuständige Behörde regelt jedes Land in einem eigenen Gesetz.

  • Voraussetzung: Blindheit im rechtlichen Sinn und in der Regel ein Wohnsitz im jeweiligen Bundesland. Ein Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen Bl ist ein wichtiger Nachweis, aber nicht in jedem Land Voraussetzung.
  • Höhe: sehr unterschiedlich, für Erwachsene 2026 zwischen 350 Euro im Monat (Schleswig-Holstein) und mehr als 700 Euro (etwa Bayern). Aktuelle Zahlen: Übersicht des DBSV.
  • Antrag: je nach Land beim Landesamt für Soziales, beim Landschaftsverband, bei der Kommune oder beim Versorgungsamt. Die Blinden- und Sehbehindertenvereine wissen, wer in Ihrem Land zuständig ist.
  • Beginn: Blindengeld wird nicht rückwirkend für die Zeit vor dem Antrag gezahlt. Stellen Sie den Antrag deshalb sofort, wenn Blindheit festgestellt wurde – auch wenn das Versorgungsamt noch nicht entschieden hat.

Sehbehindertengeld und Taubblindengeld

Einige Bundesländer zahlen hochgradig sehbehinderten Menschen (Sehschärfe höchstens 0,05) ein geringeres Sehbehindertengeld. Für taubblinde Menschen gibt es in mehreren Ländern einen erhöhten Betrag. Ob und in welcher Höhe, steht in der DBSV-Übersicht.

Blindenhilfe nach § 72 SGB XII

Die Blindenhilfe ist eine bundesweite Leistung der Sozialhilfe. Sie kommt infrage, wenn das Landesblindengeld niedriger ist als die Blindenhilfe und Einkommen und Vermögen bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Das Landesblindengeld wird angerechnet; die Blindenhilfe stockt also auf. Den Antrag stellen Sie beim Sozialamt.

Pflegeversicherung

Blindheit allein begründet keinen Pflegegrad, aber viele Menschen mit Sehbehinderung brauchen im Alltag Unterstützung, etwa beim Einkaufen, bei der Medikamenteneinnahme oder außer Haus. Stellen Sie bei Bedarf einen Antrag bei der Pflegekasse. Schildern Sie der Gutachterin oder dem Gutachter konkret, wobei Sie Hilfe brauchen. Mit einem Pflegegrad sind auch Leistungen wie der Entlastungsbetrag möglich.

Steuervorteile

  • Behinderten-Pauschbetrag: je nach GdB zwischen 384 Euro (GdB 20) und 2.840 Euro (GdB 100); mit den Merkzeichen Bl oder H 7.400 Euro im Jahr.
  • Fahrtkostenpauschale: 900 Euro ab GdB 80 oder GdB 70 mit Merkzeichen G; 4.500 Euro unter anderem mit den Merkzeichen Bl oder H.
  • Kfz-Steuer: vollständige Befreiung mit den Merkzeichen Bl oder H. Das Fahrzeug muss auf Sie zugelassen sein und darf nur für Ihre Fahrten oder Ihre Haushaltsführung genutzt werden – fahren darf es auch eine andere Person.
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen und Kosten für eine Haushaltshilfe lassen sich teilweise zusätzlich absetzen.

Weitere Ermäßigungen

  • Freifahrt im Nahverkehr mit Wertmarke, kostenlose Begleitperson mit Merkzeichen B – siehe Bus und Bahn.
  • Ermäßigter Rundfunkbeitrag mit Merkzeichen RF.
  • Portofreie Blindensendungen bei der Deutschen Post für Schriftstücke in Blindenschrift und Hörmedien für blinde Menschen.
  • Ermäßigter Eintritt in vielen Museen, Theatern, Schwimmbädern und Zoos – oft auch für die Begleitperson.

Häufige Fragen

Wie hoch ist das Blindengeld?

Das hängt vom Bundesland ab. Für Erwachsene reicht die Spanne 2026 von 350 Euro im Monat in Schleswig-Holstein bis zu deutlich über 700 Euro etwa in Bayern. Für Minderjährige und Menschen in Einrichtungen gelten teils andere Beträge. Die aktuellen Sätze aller Länder veröffentlicht der DBSV.

Wird Blindengeld auf andere Leistungen angerechnet?

Beim Bürgergeld und bei der Sozialhilfe bleibt das Blindengeld anrechnungsfrei. Wer gleichzeitig Pflegegeld aus der Pflegeversicherung erhält, bekommt in vielen Ländern ein gekürztes Blindengeld. Die Regeln unterscheiden sich je nach Landesgesetz.

Bekomme ich Blindengeld, wenn ich noch etwas sehe?

Blindengeld setzt Blindheit im rechtlichen Sinn voraus: Sehschärfe höchstens 0,02 auf dem besseren Auge oder eine gleich schwere Störung, etwa ein stark eingeengtes Gesichtsfeld. Menschen mit Restsehvermögen können also durchaus als blind gelten. Einige Länder zahlen zudem hochgradig sehbehinderten Menschen ein Sehbehindertengeld.

Quellen und weiterführende Links

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Für Ihren Einzelfall helfen die EUTB-Beratungsstellen, der Blinden- und Sehbehindertenverein Ihres Bundeslandes oder ein Sozialverband.

Persönliche Beratung finden

Blinden- und Sehbehindertenvereine, EUTB-Stellen und Selbsthilfegruppen beraten kostenlos – oft von Menschen, die selbst sehbehindert sind.