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Hilfsmittel von der Krankenkasse
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Hilfsmittel, die eine Sehbehinderung ausgleichen. Mit einer guten Begründung und dem richtigen Ablauf kommen Sie schneller zum Ziel.
Aktualisiert am · 2 Min. Lesezeit
Welche Hilfsmittel kommen infrage?
Sehhilfen (Produktgruppe 25): Hand- und Standlupen, Lupen- und Fernrohrlupenbrillen, Kantenfilter, elektronische Lupen und Bildschirmlesegeräte; bei Sehbehinderung auch Brillengläser.
Blindenhilfsmittel (Produktgruppe 07): Langstock mit Mobilitätstraining, Braillezeilen, Vorlesesysteme, DAISY-Abspielgeräte, Farberkennungsgeräte, sprechende Uhren und weitere Alltagshilfen für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen.
Training: Die Einweisung und Schulung im Gebrauch, etwa Orientierungs- und Mobilitätstraining oder Training in Lebenspraktischen Fähigkeiten.
Welche Produkte zugelassen sind, zeigt das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands. Handelsübliche Geräte wie Smartphones oder Tablets gelten als Gebrauchsgegenstände und werden in der Regel nicht übernommen, spezielle Software dafür aber unter Umständen schon.
Der Antrag Schritt für Schritt
Beraten und testen: Probieren Sie bei einem Hilfsmittelanbieter, einem Augenoptiker mit Low-Vision-Schwerpunkt oder bei der Beratungsstelle aus, welches Gerät Ihnen wirklich hilft.
Verordnung: Die Augenärztin oder der Augenarzt stellt eine Verordnung aus, mit Diagnose, Sehschärfe und dem konkreten Hilfsmittel.
Kostenvoranschlag: Der Leistungserbringer – meist ein Vertragspartner Ihrer Kasse – erstellt ihn und reicht ihn oft direkt mit der Verordnung ein.
Begründung beilegen: Beschreiben Sie in eigenen Worten, wofür Sie das Hilfsmittel brauchen: „Ohne Bildschirmlesegerät kann ich meine Post, Rechnungen und Beipackzettel nicht mehr selbst lesen.“
Entscheidung abwarten: Die Kasse muss innerhalb von drei Wochen entscheiden, bei Einschaltung des Medizinischen Dienstes innerhalb von fünf Wochen. Kann sie die Frist nicht einhalten, muss sie Ihnen das rechtzeitig schriftlich mit Begründung mitteilen.
Lieferung und Einweisung: Nach der Genehmigung liefert der Leistungserbringer das Hilfsmittel und weist Sie ein.
Zuzahlung
Erwachsene zahlen 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Hilfsmittel, jedoch nie mehr als die Kosten selbst. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen nichts. Wer die jährliche Belastungsgrenze von 2 Prozent des Bruttoeinkommens (bei chronischer Erkrankung 1 Prozent) erreicht, kann sich für den Rest des Jahres befreien lassen.
Wenn die Kasse ablehnt
Legen Sie innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch ein. „Hiermit lege ich Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom … ein. Die Begründung reiche ich nach.“ genügt zunächst.
Fordern Sie das Gutachten des Medizinischen Dienstes an und gehen Sie auf die Argumente ein.
Ergänzen Sie eine ausführliche ärztliche Stellungnahme und schildern Sie konkrete Alltagssituationen.
Hilfe erhalten Sie bei den Blinden- und Sehbehindertenvereinen, EUTB-Stellen, Sozialverbänden und der Unabhängigen Patientenberatung.
Bleibt es bei der Ablehnung, ist eine Klage beim Sozialgericht möglich; für Versicherte fallen keine Gerichtskosten an.
Zahlt die Kasse auch Hilfsmittel, die nicht im Hilfsmittelverzeichnis stehen?
Ja, das ist möglich. Das Verzeichnis ist keine abschließende Liste. Entscheidend ist, ob das Hilfsmittel im Einzelfall erforderlich ist. Die Begründung muss dann besonders sorgfältig sein.
Bezahlt die Krankenkasse eine Brille?
Erwachsene erhalten Brillengläser von der Kasse, wenn sie auf dem besseren Auge auch mit Brille höchstens 30 Prozent sehen, also sehbehindert sind, oder bei sehr hoher Fehlsichtigkeit. Das Gestell wird nicht bezahlt.
Was ist, wenn ich ein teureres Modell möchte?
Die Kasse bezahlt eine ausreichende und zweckmäßige Versorgung. Wählen Sie ein teureres Modell, ohne dass die Mehrausstattung medizinisch nötig ist, tragen Sie die Mehrkosten selbst.
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Für Ihren Einzelfall helfen die EUTB-Beratungsstellen, der Blinden- und Sehbehindertenverein Ihres Bundeslandes oder ein Sozialverband.
Praxisleitfaden: Welche Hilfsmittel die Krankenkasse übernimmt, wie der Antrag funktioniert, was bei Ablehnung zu tun ist und welche Zuzahlungen anfallen.