Trauerphasen nach der Diagnose
- Verleugnung: „Das stimmt nicht, das geht vorüber." – Die Diagnose wird emotional nicht akzeptiert. Dieser Schutzmechanismus ist normal, sollte aber nicht dauerhaft den Zugang zu Behandlung und Rehabilitation blockieren.
- Wut: „Warum ich?" – Frustration über die Unfairness der Situation kann sich gegen Ärzte, Familie oder das Schicksal richten. Wut ist ein Zeichen, dass die Realität der Diagnose sich durchsetzt.
- Verhandlung: „Wenn ich gesünder lebe, vielleicht …" – Der Versuch, durch Versprechen oder Verhaltensänderungen das Unvermeidliche aufzuhalten. Kann positiv sein (gesunde Ernährung, Medikamententreue), wird aber problematisch, wenn unrealistische Heilungserwartungen im Vordergrund stehen.
- Depression: „Es hat keinen Sinn mehr." – Traurigkeit, Rückzug und Hoffnungslosigkeit können auftreten, wenn die Endgültigkeit der Sehbehinderung emotional ankommt. Diese Phase ist gefährlich, wenn sie länger als einige Wochen anhält – dann ist professionelle Hilfe wichtig.
- Akzeptanz: „Ich habe eine Sehbehinderung – und mein Leben geht weiter." – Nicht Aufgabe oder Resignation, sondern eine realistische Basis für neue Strategien, Anpassungen und Lebensqualität. Akzeptanz ist kein linearer Prozess: Rückschläge sind normal.
- Wichtig: Nicht jeder durchläuft alle Phasen in dieser Reihenfolge. Manche Menschen springen hin und her, andere überspringen Phasen. Es gibt keine „richtige" Geschwindigkeit für die Verarbeitung.