Rechte und Nachteilsausgleiche im Beruf

Schwerbehinderte und gleichgestellte Beschäftigte haben besondere Rechte. Sie sollen sicherstellen, dass eine Behinderung nicht zum Nachteil im Arbeitsleben wird.

Aktualisiert am · 2 Min. Lesezeit

Anspruch auf einen passenden Arbeitsplatz

Schwerbehinderte Beschäftigte können vom Arbeitgeber eine Beschäftigung verlangen, bei der sie ihre Fähigkeiten voll einsetzen können, sowie eine behinderungsgerechte Einrichtung des Arbeitsplatzes mit den nötigen technischen Hilfen. Der Anspruch besteht nicht, wenn die Umsetzung für den Arbeitgeber unzumutbar oder mit unverhältnismäßigen Kosten verbunden wäre – was angesichts der Förderung durch Integrationsamt und Reha-Träger selten der Fall ist. Außerdem können Sie bei Bedarf eine Teilzeitbeschäftigung verlangen.

Zusatzurlaub

Schwerbehinderte Menschen erhalten zusätzlich fünf bezahlte Urlaubstage im Jahr, wenn sie fünf Tage pro Woche arbeiten. Bei weniger Arbeitstagen verringert sich der Anspruch entsprechend. Gleichgestellte haben keinen Anspruch auf Zusatzurlaub.

Besonderer Kündigungsschutz

Ein Arbeitgeber darf schwerbehinderten und gleichgestellten Beschäftigten erst kündigen, wenn das Integrationsamt vorher zugestimmt hat. Der Schutz gilt, wenn das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht. Das Integrationsamt prüft, ob die Kündigung mit der Behinderung zusammenhängt, und sucht nach Möglichkeiten, den Arbeitsplatz zu erhalten.

Gleichstellung ab GdB 30

Wer einen GdB von 30 oder 40 hat und ohne Unterstützung einen geeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder behalten kann, kann bei der Agentur für Arbeit die Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen beantragen. Sie gilt ab dem Tag der Antragstellung.

Bewerbung und Vorstellungsgespräch

  • Die Frage nach einer Schwerbehinderung ist vor der Einstellung grundsätzlich unzulässig. Sie dürfen die Behinderung erwähnen, müssen es aber nicht.
  • Öffentliche Arbeitgeber müssen schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber zum Vorstellungsgespräch einladen, es sei denn, die fachliche Eignung fehlt offensichtlich. Dafür müssen Sie die Schwerbehinderung in der Bewerbung angeben.
  • Für schriftliche Tests oder Assessment-Center können Sie einen Nachteilsausgleich verlangen, etwa mehr Zeit oder barrierefreie Unterlagen.
  • Werden Sie wegen Ihrer Behinderung benachteiligt, können Sie nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Entschädigung verlangen – innerhalb von zwei Monaten schriftlich beim Arbeitgeber.

Weitere Rechte

  • Mehrarbeit: Auf Verlangen sind schwerbehinderte Menschen von Mehrarbeit freizustellen.
  • Schwerbehindertenvertretung: Sie ist bei allen Angelegenheiten zu beteiligen, die schwerbehinderte Beschäftigte betreffen.
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement: Wer innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig ist, hat Anspruch auf ein Gespräch, wie der Arbeitsplatz erhalten werden kann.
  • Altersrente: Schwerbehinderte Menschen können unter bestimmten Voraussetzungen früher in Altersrente gehen.

Häufige Fragen

Muss ich meinem Arbeitgeber meine Sehbehinderung mitteilen?

Grundsätzlich nein. Eine Pflicht besteht nur, wenn Sie die Tätigkeit wegen der Sehbehinderung nicht ausüben können oder sich oder andere gefährden würden – etwa als Berufskraftfahrer. Um Rechte wie Zusatzurlaub, Kündigungsschutz oder eine Arbeitsplatzausstattung zu nutzen, müssen Sie die Schwerbehinderung allerdings mitteilen.

Was bringt die Gleichstellung?

Gleichgestellte erhalten vor allem den besonderen Kündigungsschutz und Leistungen des Integrationsamts wie technische Arbeitshilfen. Zusatzurlaub und die Freifahrt gibt es für Gleichgestellte dagegen nicht.

Wer bezahlt eine Arbeitsassistenz?

Für schwerbehinderte Beschäftigte übernimmt das Integrationsamt die Kosten einer notwendigen Arbeitsassistenz. Bei einem neuen Arbeitsverhältnis sind für die ersten drei Jahre häufig die Reha-Träger wie die Rentenversicherung oder die Agentur für Arbeit zuständig.

Quellen und weiterführende Links

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Für Ihren Einzelfall helfen die EUTB-Beratungsstellen, der Blinden- und Sehbehindertenverein Ihres Bundeslandes oder ein Sozialverband.

Persönliche Beratung finden

Blinden- und Sehbehindertenvereine, EUTB-Stellen und Selbsthilfegruppen beraten kostenlos – oft von Menschen, die selbst sehbehindert sind.