Hobbys & Spiele
Hörbücher, Spiele mit Braille und Großdruck, Schach, Musik, Handarbeit und Audiospiele.
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Alltag
Bücher hören statt lesen müssen: Spezialbibliotheken wie dzb lesen und die WBH verleihen ihre Medien kostenlos. Wir erklären Anmeldung, Formate und den Zentralkatalog Medibus.
Gedruckte Bücher sind bei einer Sehbehinderung oft nicht mehr lesbar – zu kleine Schrift, zu geringe Kontraste, zu dichte Zeilen. Das muss aber nicht das Ende des Lesens bedeuten. In Deutschland gibt es ein gut ausgebautes Netz spezieller Bibliotheken für blinde, sehbehinderte und lesebehinderte Menschen. Sie verleihen Romane, Sachbücher und Zeitschriften als Hörbuch, E-Book, in Braille oder Großdruck – für berechtigte Nutzerinnen und Nutzer in der Regel kostenlos.
Viele Betroffene kennen diese Angebote nicht. Dabei reicht eine einmalige Anmeldung mit einem Nachweis über die Sehbehinderung, zum Beispiel dem Schwerbehindertenausweis. Danach kommen die Medien per Post, als Download oder über eine App direkt ins Wohnzimmer.
Das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen) in Leipzig ist Deutschlands älteste öffentliche Blindenbücherei – gegründet 1894. Der Bestand umfasst zehntausende Titel: Hörbücher im DAISY-Format, Braillebücher, Reliefs, Noten und Großdruck. Die DAISY-Hörbücher werden angemeldeten Nutzern kostenlos zugesendet (CD) oder stehen zum Download und Streaming bereit.
Die Anmeldung läuft online oder per Post: Formular ausfüllen, Nachweis beilegen, fertig. Wer ein Smartphone nutzt, kann mit der dzb-lesen-App (iOS und Android) direkt im Katalog stöbern, Bücher herunterladen und hören. Alles Wichtige finden Sie unter www.dzblesen.de.
Die Westdeutsche Bibliothek der Hörmedien für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen e. V. (WBH) in Münster verleiht seit 1955 kostenlos Hörbücher aus allen Bereichen der Literatur – als DAISY-CD per Post oder als Download über das Online-Portal. Die WBH ist eine der größten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland und funktioniert als Verein der Blindenselbsthilfe.
Auch hier gilt: einmal anmelden, Nachweis einreichen, dann ausleihen so viel Sie möchten. Informationen zur Anmeldung gibt es auf wbh-online.com.
Welche Bibliothek hat das gewünschte Buch? Diese Frage beantwortet die Mediengemeinschaft für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen e. V. (Medibus). Unter medibus.info lässt sich bibliotheksübergreifend in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Hörbüchern, Braillebänden, barrierefreien E-Books und Großdrucken suchen. Gefunden wird das Medium über die ausleihende Bibliothek – dazu benötigen Sie eine Anmeldung bei mindestens einer der beteiligten Büchereien.
Viele Angebote setzen auf das DAISY-Format. Es vereint gesprochene Audioaufnahmen mit einer Struktur: Man kann von Kapitel zu Kapitel springen, Lesezeichen setzen und die Geschwindigkeit anpassen – deutlich komfortabler als eine normale MP3-CD. Hören lässt sich DAISY mit speziellen Abspielgeräten, aber auch mit dem Smartphone über die Apps der Bibliotheken. Viele Titel gibt es außerdem als gewöhnliche Hörbuch-Downloads oder Streams.
Wer lieber mitlesen möchte, nutzt E-Books: Auf dem Tablet oder PC lassen sich Schriftgröße, Kontrast und Zeilenabstand frei einstellen – kombiniert mit der Sprachausgabe wird aus dem Bildschirmtext ein vorgelesenes Buch. Tipps dazu finden Sie in unserem Artikel Die besten Apps 2026 und auf der Seite Digitale Hilfsmittel im Alltag.
Vergessen Sie die Stadtbücherei in Ihrer Nähe nicht: Viele halten Großdruckbände, Hörbücher und digitale Angebote wie die Onleihe bereit, und die digitalen Medien lassen sich häufig mit Screenreader oder Vergrößerungssoftware nutzen. Fragen Sie am Servicetresen ruhig gezielt nach barrierefreien Medien – mancherorts gibt es zusätzliche vergünstigte Konditionen für Menschen mit Behinderung.
Weitere Anlaufstellen rund um Bildung und Medien haben wir auf unserer Seite Bildungsangebote gesammelt. Und wer beim Hören Appetit auf mehr bekommt: Unter Freizeit und Kultur gibt es weitere Ideen für die Freizeit.
Barrierefreies Lesen ist kein Privileg, sondern ein gut organisiertes Angebot: bei dzb lesen oder der WBH anmelden, Nachweis einreichen, und schon stehen zehntausende Bücher bereit – zum Hören, zum Lesen in Braille, als verstellbares E-Book oder in Großdruck. Der erste Schritt ist die Anmeldung. Sie lohnt sich für ein Leben mit Büchern, unabhängig von der Sehkraft.
Blinden- und Sehbehindertenvereine, EUTB-Stellen und Selbsthilfegruppen beraten kostenlos – oft von Menschen, die selbst sehbehindert sind.