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Bildungsangebote

Gezielte Schulungen erleichtern den Alltag und verbessern digitale sowie berufliche Teilhabe.

Illustration von Lernmaterialien und digitalen Schulungsangeboten

blista – Deutsche Blindenstudienanstalt (Marburg)

Die blista ist das überregionale Kompetenzzentrum für blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland. Sie umfasst ein Gymnasium mit Internat, ein Studienkolleg für Studieneinsteiger, eine Berufsvorbereitung sowie umfangreiche Beratungs- und Unterstützungsangebote für Studierende. Bekannt ist die blista außerdem für ihre Punktschriftdruckerei, ihre Medienprüfung auf Barrierefreiheit und das Marburger System zur integration der Studierenden in reguläre Studiengänge. Das Studienkolleg vermittelt in einjährigen Kursen die Voraussetzungen für ein Studium, inklusive EDV-Training mit Screenreadern und wissenschaftlichem Arbeiten.

Kontakt: www.blista.de · Telefon: 06421 9480

Berufsförderungswerke (BFW) – 5 Standorte

Die Berufsförderungswerke sind spezialisierte Bildungszentren für erwachsene Blinde und Sehbehinderte, die eine berufliche Neuorientierung oder Qualifizierung anstreben. Sie bieten Berufsvorbereitung, Umschulungen, Anpassungsqualifizierungen und Weiterbildungen mit voller sozialpädagogischer, psychologischer und technischer Begleitung. Die fünf BFW-Standorte sind: BFW Düren (NRW), BFW Leipzig (Sachsen), BFW Hamburg, BFW Chemnitz (Sachsen) und BFW Bad Wildungen (Hessen). Jedes BFW hat Internatsplätze und ist auf die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderung spezialisiert ausgestatten. Die Maßnahmen werden in der Regel von Rehabilitationsträgern wie Rentenversicherung oder Agentur für Arbeit finanziert.

Kontakt: www.bfw-verein.de · Telefon: 02292 9990 (BFW Düren)

Blista – Studienkolleg für blinde und sehbehinderte Studierende

Das Studienkolleg der blista in Marburg ist ein einzigartiges Angebot in Deutschland, das gezielt auf ein Hochschulstudium vorbereitet. In einem einjährigen Vollzeitkurs werden Studienmethodik, wissenschaftliches Schreiben, Mathematik, Sprachen und der Umgang mit assistiven Technologien vermittelt. Voraussetzung ist ein Abschluss, der zum Studium berechtigt. Das Kolleg inkludiert EDV-Schulungen mit JAWS, NVDA und VoiceOver, Orientation-and-Mobility-Training und psychologische Begleitung. Es ist der ideale Einstieg für Menschen, die nach dem Verlust des Sehvermögens ein Studium aufnehmen oder fortsetzen möchten.

Kontakt: www.blista.de · Telefon: 06421 948210

Deutsche Blindenakademie

Die Deutsche Blindenakademie bietet Weiterbildungen und Seminare speziell für blinde, sehbehinderte und multibehinderte Menschen. Das Spektrum reicht von Persönlichkeitsseminaren über Kreativangebote bis hin zu beruflichen Qualifizierungen. Die Akademie legt Wert auf kleine Gruppen, erfahrene Dozenten und barrierefreie Lernmaterialien. Viele Kurse finden als Intensivseminare statt und können auch als Bildungsurlaub anerkannt werden. Die Arbeit der Akademie wird ergänzt durch kulturelle Angebote, Vorträge und Tagungen zu aktuellen Themen der Sehbehinderung.

Kontakt: www.blindenakademie.de

Akademie für Sehbehindertenpädagogik

Die Akademie für Sehbehindertenpädagogik bildet Pädagoginnen und Pädagogen aus und weiter, die mit sehbehinderten und blinden Menschen arbeiten. Sie bietet Lehrgänge, Workshops und Fortbildnungen für Lehrkräfte, Rehabilitationslehrer, Orientierungs- und Mobilitätstrainer sowie Eltern an. Die Akademie fördert den Austausch zwischen Forschung und Praxis und entwickelt innovative didaktische Konzepte für den Unterricht mit sehbehinderten Lernenden. Für Betroffene indirekt relevant, da hier die Qualität der Förderung an Schulen und Reha-Einrichtungen maßgeblich geprägt wird.

Kontakt: Über den DBSV und Universitäten mit sonderpädagogischen Lehrstühlen

KISS – Kompetenzzentrum Inklusion in Studium und Beruf

KISS-Beratungsstellen an Hochschulen unterstützen Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen – darunter auch sehbehinderte und blinde Studierende. Sie beraten zu Nachteilsausgleichen (Zeitverlängerung, alternative Prüfungsformate, Hilfsmitteln im Hörsaal), organisieren technische Unterstützung, verleihen Hilfsmittel wie mobile Bildschirmlesegeräte und helfen bei der Kommunikation mit Lehrenden und Prüfungsämtern. KISS-Stellen gibt es an vielen Universitäten und Fachhochschulen, oft in Zusammenarbeit mit dem/bei der Beauftragten für Studierende mit Behinderung.

Kontakt: Über die jeweilige Hochschule · Übersicht: www.inklusion-hochschule.de

Aktion Mensch – Fördermöglichkeiten für Bildung

Die Aktion Mensch fördert Projekte für Menschen mit Behinderungen, darunter Bildungsinitiativen, Inklusionsprojekte und Zugangstechnologien. Stipendien und Fördergelder ermöglichen die Teilnahme an Kursen, Tagungen und innovativen Lernangeboten. Für Einzelpersonen gibt es die Möglichkeit, über antragstellende Organisationen gefördert zu werden. Die Aktion Mensch unterstützt auch digitale Lernplattformen, barrierefreie Lehrmaterialien und Modellprojekte zur beruflichen Integration sehbehinderter Menschen.

Kontakt: www.aktion-mensch.de

Stiftungen und Förderfonds

Verschiedene Stiftungen fördern die Bildung und Teilhabe sehbehinderter Menschen. Die Stiftung Pfennigparade fördert Bildungsprojekte in Bayern, die Stiftung Derpartnerschaft unterstützt blinde Menschen bei Aus- und Weiterbildung. Die Else-Heinrich-Stiftung und die Dietmar-Hopp-Stiftung finanzieren ebenfalls Projekte für Menschen mit Behinderungen. Für Hilfsmittel, die nicht von den Kostenträgern übernommen werden, können oft Stiftungsmittel beantragt werden. Einen guten Überblick bietet der Förderdatenbanken-Service des DBSV.

Kontakt: www.dbsv.org/foerderung · Übersicht über Fördermöglichkeiten

Frühförderung und Eltern-Beratung

Frühförderstellen begleiten sehbehinderte und blinde Kinder ab der Geburt bis zum Schuleintritt sowie deren Familien. Sie bieten entwicklungsunterstützende Maßnahmen, Sehtraining, taktile und auditive Förderung sowie Beratung der Eltern zu Alltag, Spiel und Einschulung. Auch nach der Diagnosisverarbeitung ist die Frühförderung eine zentrale Anlaufstelle. Viele Frühförderstellen sind an Blindeninstitute (z. B. Würzburg) oder Sozialpädiatrische Zentren angebunden. Pro Retina und der DBSV bieten zusätzlich spezielle Eltern-Netzwerke und Familienwochenenden an.

Kontakt: Über Frühförderstellen, SPZ und Blindeninstitute · www.fruehfoerderung.de

Digitale Weiterbildung und E-Learning-Plattformen

Immer mehr Bildungsangebote für sehbehinderte Menschen finden online statt. Plattformen wie der DBSV-E-Learning-Bereich, die BFW-Online-Akademie und YouTube-Kanäle mit Screenreader-Tutorials bieten flexibles Lernen von zu Hause. Themen umfassen NVDA-Grundlagen, JAWS-Profiwissen, smartphone-Nutzung mit VoiceOver/TalkBack, barrierefreies Office und digitale Behördengänge. Der Vorteil: Lerntempo und -zeiten sind frei wählbar, und die Barrierefreiheit ist oft besser als bei allgemeinen E-Learning-Plattformen. Viele Kurse sind kostenlos oder werden über Reha-Träger finanziert.

Kontakt: www.dbsv.org/elearning · BFW-Online-Kurse · YouTube: „Screenreader-Tutorials"

Screenreader- und Smartphone-Schulungen

Systematische Kurse zu den gängigsten Screenreadern: NVDA (kostenlos, Windows), JAWS (professionell, Windows), VoiceOver (iOS und macOS) und TalkBack (Android). Vermittelt werden Tastenkombinationen, Navigationsstrategien, effiziente Bedienabläufe, Web-Browsing mit Braille-Zeile und der Umgang mit typischen Barrieren. Die Schulungen richten sich sowohl an Einsteiger, die gerade ihre erste Diagnose verarbeiten, als auch an Fortgeschrittene, die ihren Workflow optimieren möchten. Präsenskurse bieten dabei den Vorteil von direkter Unterstützung und Austausch mit anderen Betroffenen.

Kontakt: Über BFW, DBSV-Landesverbände und Blindeninstitute

Berufsbezogene Weiterbildungen

Spezifische Weiterbildungen für den Arbeitsplatz: barrierefreie Office-Anwendungen (Word, Excel, Outlook, PowerPoint mit Screenreader), professionelle Hilfsmittel wie Punktschrift-Displays und Sprachsoftware, Arbeitsplatzorganisation, barrierefreie Präsentationstechniken und Kommunikation im Team. Ziel ist die dauerhafte berufliche Teilhabe und die Sicherung des Arbeitsplatzes bei nachlassendem Sehvermögen. Arbeitgeber können Zuschüsse zur Arbeitsplatzausstattung über die Integrationsämter erhalten (technische Arbeitshilfen, Eingliederungszuschüsse).

Kontakt: Über Berufsförderungswerke, Integrationsämter und Reha-Beratung

Der richtige Bildungsweg

Die passende Bildungsmaßnahme hängt von Alter, Vorwissen und persönlichem Ziel ab. Diese Orientierung hilft bei der Einordnung:

  • Kinder und Familien: Frühförderstellen und Blindeninstitute (z. B. Würzburg) begleiten von Geburt an. Pro Retina und DBSV bieten Eltern-Netzwerke.
  • Schulzeit: Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Sehen oder Inklusion an Regelschulen mit mobiler Sonderpädagogik. Die blista führt ein spezialisiertes Gymnasium mit Internat.
  • Studium: Das blista-Studienkolleg bereitet auf ein Hochschulstudium vor. KISS-Stellen und Beauftragte für Studierende mit Behinderung unterstützen während des Studiums.
  • Beruf und Umschulung: Die fünf Berufsförderungswerke bieten maßgeschneiderte Programme für berufliche Neuorientierung. Integrationsämter fördern Hilfsmittel am Arbeitsplatz.
  • Digitaler Alltag: Screenreader-Kurse und E-Learning-Plattformen vermitteln die wichtigsten digitalen Kompetenzen flexibel von zu Hause.

Finanzierung von Bildungsmaßnahmen

Bildungsangebote für sehbehinderte Menschen werden über verschiedene Wege finanziert. Eine frühzeitige Klärung der Zuständigkeit spart Zeit und Kosten:

  • Rentenversicherung (DRV): Übernimmt Umschulungen und Weiterbildungen bei entsprechender Versicherungslage und drohender Erwerbsminderung.
  • Agentur für Arbeit: Finanziert berufliche Qualifizierungen, Bewerbungstrainings und Hilfsmittel für die Arbeitsaufnahme.
  • Integrationsämter: Fördern technische Arbeitshilfen, Arbeitsplatzanpassungen und Eingliederungszuschüsse für Arbeitgeber.
  • Unfallkassen: Bei Arbeits- oder Wegeunfällen mit Sehverlust übernehmen die Berufsgenossenschaften die gesamte Rehabilitation.
  • Aktion Mensch und Stiftungen: Ergänzen die gesetzliche Förderung bei innovativen Projekten und individuellen Lernwünschen.
  • Eigene Beiträge: Manche Kurse (z. B. an Volkshochschulen) sind kostenpflichtig, aber deutlich reduziert für Menschen mit Schwerbehindertenausweis.

E-Learning und digitale Lernformate

Digitale Lernangebote haben sich zu einer wertvollen Ergänzung zu Präsenzveranstaltungen entwickelt – besonders für Menschen in ländlichen Regionen oder mit Mobilitätseinschränkungen:

  • Self-Paced-Kurse: Der DBSV und BFWs bieten Online-Kurse zum selbstbestimmten Lernen an – mit flexibility bei Zeit und Tempo.
  • Virtuelle Klassenzimmer: Live-Online-Seminare via Zoom oder Teams mit echten Dozenten, Fragen in Echt und Austausch mit anderen Teilnehmern.
  • YouTube und Video-Tutorials: Kanäle wie „Screenreader-Tutorials" oder „Blind Sehbehindert" bieten kostenlos fundierte Anleitungen zu NVDA, JAWS, VoiceOver und TalkBack.
  • Podcasts und Audio-Learning: Der DBSV-Podcast und Pro-Retina-Beiträge vermitteln Wissen im Audioformat – ideal für Menschen mit Sehbehinderung.
  • Blindenbibliotheken: Die DZB Leipzig und die bpk Stuttgart stellen barrierefreie Bildungsmaterialien in Braille, Großdruck und als Hörbuch zur Verfügung.
Tipp: Fragen Sie bei Bildungsanbietern nach Einsteiger- und Aufbaukursen, damit Lerninhalte zu Ihrem aktuellen Kenntnisstand passen. Viele Anbieter bieten Einstufungstests und individuelle Lernpläne an. Bei der Finanzierung hilft die Beratungsstelle der Agentur für Arbeit oder die Reha-Beratung des DBSV.