Texterkennung (OCR)

Texterkennung verwandelt gedruckten Text in vorlesbare Sprache. Mit dem Smartphone genügt dafür oft ein Foto – vorausgesetzt, Licht und Kamerahaltung stimmen.

Aktualisiert am · 2 Min. Lesezeit

Welche Apps gibt es?

  • Seeing AI von Microsoft (iPhone und Android, kostenlos): „Kurzer Text“ liest sofort vor, sobald die Kamera Text erfasst; „Dokument“ gibt Hinweise zur Ausrichtung und fotografiert automatisch.
  • Google Lookout (Android, kostenlos): Modi für Text, Dokumente, Lebensmitteletiketten und Währungen.
  • Envision (iPhone und Android): Texterkennung, Dokumentscan und Szenenbeschreibung.
  • Be My Eyes mit „Be My AI“ (kostenlos): fotografiert ein Dokument und fasst es auf Wunsch zusammen; Rückfragen sind möglich.
  • Eingebaute Funktionen: Das iPhone erkennt Text direkt in der Kamera („Live Text“), unter Android hilft Google Lens. Beide können den erkannten Text vorlesen oder kopieren.

So gelingen gute Ergebnisse

  1. Licht: Gleichmäßig hell, ohne Schatten des eigenen Körpers und ohne Spiegelungen auf glänzendem Papier.
  2. Unterlage: Das Blatt flach auf einen dunklen Tisch legen – der Kontrast hilft der App, die Ränder zu finden.
  3. Kamera ausrichten: Das Smartphone mittig über das Blatt halten und langsam nach oben bewegen, bis die App meldet, dass alle Ecken sichtbar sind. Ein Tipp: Ellbogen auf den Tisch stützen.
  4. Ergebnis prüfen: Beträge, Daten und Namen im Zweifel noch einmal einzeln erfassen oder mit einer zweiten App gegenlesen.
  5. Speichern: Wichtige Dokumente als Text oder PDF in einem Ordner ablegen, um sie später wieder vorlesen zu lassen.

Am Computer

  • Mit einem Flachbettscanner und einer OCR-Software wie ABBYY FineReader lassen sich ganze Bücher in bearbeitbare Dateien umwandeln.
  • Screenreader wie NVDA haben eine eingebaute Texterkennung für Bildschirminhalte, die sonst nicht lesbar wären (NVDA: NVDA + R).
  • Viele PDFs sind nur eingescannte Bilder. Wie Sie das erkennen und trotzdem lesen, erklärt der Beitrag PDFs und Scans besser lesen.

Grenzen der Texterkennung

  • Handschrift, geschwungene Schriften, Tabellen und sehr kleiner Druck werden oft fehlerhaft erkannt.
  • KI-gestützte Apps „glätten“ manchmal Texte oder ergänzen Wörter, die gar nicht dastehen. Bei Verträgen, Bescheiden und Medikamenten deshalb immer den Originaltext vorlesen lassen, nicht nur eine Zusammenfassung.
  • Wer vertrauliche Dokumente fotografiert, sollte prüfen, ob die App die Bilder auf fremde Server lädt. Hinweise dazu stehen in den Datenschutzbestimmungen der App.

Persönliche Beratung finden

Blinden- und Sehbehindertenvereine, EUTB-Stellen und Selbsthilfegruppen beraten kostenlos – oft von Menschen, die selbst sehbehindert sind.