Rehabilitation

Rehabilitation bedeutet bei Sehbehinderung vor allem: neue Techniken lernen, um den Alltag, die Wege und den Beruf wieder selbstständig zu bewältigen.

Aktualisiert am · 2 Min. Lesezeit

Ein Mann probiert eine elektronische Sehhilfe aus, eine Beraterin erklärt die Funktionen.

Training für den Alltag

  • Orientierung und Mobilität (O&M)

    Einzeltraining mit dem weißen Langstock: sichere Wege, Straßenüberquerung, Bus und Bahn. Ausführlich unter Mobilitätstraining.

  • Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF)

    Training für Kochen, Haushalt, Körperpflege, Kleidung, Umgang mit Geld und Organisation – angepasst an Ihre Wohnung und Ihren Alltag.

  • Low-Vision-Training

    Lernen, das Restsehvermögen optimal zu nutzen: den richtigen Umgang mit Lupe und Bildschirmlesegerät, exzentrisches Sehen bei Ausfall der Netzhautmitte und Blickstrategien bei Gesichtsfeldausfällen.

Diese Trainings geben speziell ausgebildete Rehabilitationslehrerinnen und -lehrer, meist direkt bei Ihnen zu Hause und an Ihren Alltagswegen. Die Kosten übernimmt in der Regel die Krankenkasse auf ärztliche Verordnung. Lehrkräfte in Ihrer Region nennen die Blinden- und Sehbehindertenvereine und der Bundesverband der Rehabilitationslehrer:innen.

Berufliche Rehabilitation

Wer seinen Beruf wegen einer Sehbehinderung nicht mehr ausüben kann, hat Anspruch auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, etwa eine Anpassungsqualifizierung oder Umschulung. Zuständig ist meist die Deutsche Rentenversicherung oder die Agentur für Arbeit. Drei Berufsförderungswerke sind auf blinde und sehbehinderte Erwachsene spezialisiert:

  • Berufsförderungswerk Düren

    Rehabilitation, Qualifizierung und Beratung für blinde und sehbehinderte Menschen in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus.

  • Berufsförderungswerk Halle (Saale)

    Berufliches Bildungszentrum für blinde und sehbehinderte Menschen.

  • Berufsförderungswerk Würzburg

    Überregionales Zentrum für die berufliche Integration blinder und sehbehinderter Erwachsener.

Die Maßnahmen beginnen oft mit einer Blindentechnischen Grundausbildung: Braille, Computer mit Screenreader, Mobilität und Lebenspraktische Fähigkeiten. Eine Übersicht aller Angebote bietet der DBSV.

Ausbildung für junge Menschen

Für junge Menschen mit Sehbehinderung gibt es spezialisierte Berufsbildungswerke, zum Beispiel das LWL-Berufsbildungswerk Soest, die Nikolauspflege in Stuttgart und das Sächsische Förderzentrum Chemnitz. Für Schule und Studium siehe Bildungsangebote.

Medizinische Rehabilitation

Eine stationäre medizinische Reha spielt bei Augenerkrankungen eine geringere Rolle als bei vielen anderen Erkrankungen. Nach einem Schlaganfall mit Gesichtsfeldausfall kann eine neurologische Reha mit Sehtraining sinnvoll sein – fragen Sie Ihre behandelnde Klinik. Für die meisten Menschen mit Sehbehinderung ist das ambulante Training vor Ort der wichtigste Baustein.

Quellen und weiterführende Links

Persönliche Beratung finden

Blinden- und Sehbehindertenvereine, EUTB-Stellen und Selbsthilfegruppen beraten kostenlos – oft von Menschen, die selbst sehbehindert sind.