DBSV-Reha-Kurse (Konkret)
Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) bietet über seine Landesverbände und den Bildungsverbund regelmäßig zertifizierte Reha-Kurse an. Die Kostenübernahme durch die Rentenversicherung oder Krankenkasse ist möglich.
- ▸„Computer- und Smartphone-Einstieg": Grundlagen Windows, Android, iOS mit Screenreader
- ▸„Alltag mit Sehbehinderung meistern": LPF-Kompaktkurs über 5 Tage
- ▸„Psychologische Bewältigung des Sehverlusts": Gruppentraining
- ▸„Mobilitätstrainings-Wochenenden": O&M in der Praxis
- ▸Online-Kurse über die DBSV-Akademie (digital, ortsunabhängig)
Kontakt: www.dbsv.org/bildung • www.dbsv-akademie.de
Berufsförderungswerke (BFW) – 5 Standorte
Die BFWs sind die wichtigsten überregionalen Reha-Einrichtungen für erwerbsfähige Erwachsene. Sie bieten mehrmonatige Reha-Maßnahmen mit Internatsunterbringung, berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, Umschulungen und Anpassungsqualifizierungen.
- ▸BFW Düren (NRW) – Schwerpunkt: IT, Büro, Telematik
- ▸BFW Leipzig (Sachsen) – Schwerpunkt: Medien, Audio, Maschinenschreiben
- ▸BFW Hamburg – Schwerpunkt: Dienstleistungen, Fremdsprachen, Call-Center
- ▸BFW Chemnitz (Sachsen) – Schwerpunkt: Metalltechnik, Elektrotechnik
- ▸BFW Bad Wildungen (Hessen) – Schwerpunkt: Gesundheitsmanagement, Telefonseelsorge
Kontakt: www.bfw-verein.de • Bewerbung über Reha-Beratung der Agentur für Arbeit
Medicalpark Bad Wiessee – Neurologische und ophthalmologische Reha
Der Medicalpark Bad Wiessee am Tegernsee ist eine renommierte Reha-Klinik mit speziellen Behandlungsschwerpunkten für Patienten mit Sehbeeinträchtigungen neurologischer und ophthalmologischer Ursache. Die Klinik arbeitet mit einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Orthoptisten, Ergotherapeuten und Psychologen.
- ▸Neuro-Visuelles-Training (Restitutionstherapie nach Optikusschaden)
- ▸Behandlung bei Schlaganfall-bedingten Gesichtsfeldausfällen
- ▸Low-Vision-Training und ADL-Training vor Ort
- ▸Psychologische Begleitung und Sozialberatung
- ▸Anschlussheilbehandlung (AHB) nach Augeneingriffen möglich
Kontakt: www.medicalpark.de/bad-wiessee • Aufnahme über Reha-Antrag bei Krankenkasse
Reha-Klinik Bad Kissingen – Augenrehabilitation
Die Reha-Klinik in Bad Kissingen (Bayer. Rhön) verfügt über eine spezialisierte Abteilung für ophthalmologische Rehabilitation. Behandelt werden Patienten nach schweren Augenerkrankungen, Operationen oder bei progredienten Sehbeeinträchtigungen.
- ▸Sehtraining: Restseh-Nutzung, Kontrastsensitivität, Blickfokus-Training
- ▸Orientierungs- und Mobilitätstraining
- ▸Lebenspraktische Unterweisung (LPF)
- ▸Psychologische Mitbetreuung und Sozialberatung
- ▸Ambulante Reha-Nachsorge mit niedergelassenen Augenärzten der Region
Kontakt: Reha-Klinik Bad Kissingen • Über ärztliche Verordnung / Reha-Antrag
O&M-Training – Orientierung und Mobilität (Ökumenische Behindertenhilfe)
Das O&M-Training ist der Grundpfeiler der unabhängigen Lebensführung nach Sehverlust. Zertifizierte O&M-Trainer arbeiten individuell und ortsbezogen, sodass konkrete Alltagswege eingeübt werden.
- ▸Sichere Wegeführung und Nutzung des weißen Langstocks
- ▸Orientierung in bekannten und fremden Umgebungen
- ▸Umgang mit öffentlichen Verkehrsmitteln
- ▸Verkehrssituationen erkennen und sicher bewältigen
- ▸Einübung konkreter Alltagswege (Wohnung → Bushaltestelle → Arbeitsplatz → Supermarkt)
- ▸Typische Dauer: 20–60 Stunden über mehrere Wochen bis Monate
Kontakt: Über Reha-Zentren, Blindeninstitute, Ökumenische Behindertenhilfe, Sozialdienste
LPF – Lebenspraktische Fähigkeiten
Das LPF-Training vermittelt Kernkompetenzen für den selbstständigen Alltag. Diese Fähigkeiten sind die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben nach Sehverlust.
- ▸Sicheres Kochen und Backen: Schneidetechniken, Herdüberwachung, Temperaturschätzung
- ▸Haushaltsführung, Kleiderpflege und Farberkennung
- ▸Umgang mit Geld und Münzprüfgeräten
- ▸Organisation von Dokumenten und Korrespondenz
- ▸Taktile Strategien: Relief-Markierungen tastend lesen
- ▸Auditorische Strategien: sprechende Messgeräte, strukturiertes Wohnumfeld
Kontakt: Über Reha-Zentren, Blindeninstitute und LPF-zertifizierte Trainer
Low-Vision-Training
Spezifisches Training für Menschen mit Restsehkraft, um die verbleibende Sehleistung optimal zu nutzen. Durchgeführt von Orthoptisten oder speziell geschulten Low-Vision-Trainern.
- ▸Exzentrisches Fixieren: Nutzung gesunder Netzhautbereiche
- ▸Training der Kontrastwahrnehmung und Lesefähigkeit
- ▸Anpassung von Beleuchtung und Blendungsschutz im Alltag
- ▸Gezielter Einsatz von Lupen, Filtergläsern und elektronischen Lesegeräten
- ▸Mehrstufige Einheiten über 10–20 Sitzungen mit Alltagstransfer
Kontakt: Über Universitäts-Augenkliniken, Low-Vision-Stellen und Sehbehinderungszentren
ADL-Training (Activities of Daily Living – Alltagskompetenz)
Das ADL-Training fokussiert sich auf die Aktivitäten des täglichen Lebens. Es wird oft in Kombination mit O&M und LPF als „Reha-Dreiklang" verordnet.
- ▸Telefontraining: Festnetz, Mobiltelefone, Notruffunktion
- ▸Medikamentenmanagement: Erkennen, Dosieren, Erinnerungssysteme
- ▸Geld- und Einkaufsmanagement
- ▸Sicherheitstechnisch angepasster Umgang mit Haushaltsgeräten
- ▸Zeit- und Tagesstrukturierung
- ▸Wohnungsorganisation mit Kontrast- und Markierungshilfen
Kontakt: Über Reha-Kliniken, Sozialdienste und ambulant tätige Rehabilitationslehrer
Computergestütztes Training und digitale Kompetenz
Der sichere Umgang mit Computer, Smartphone und Tablet ist für sehbehinderte Menschen eine Schlüsselkompetenz für Beruf, Kommunikation und Alltag.
- ▸Bildschirmleseprogramme: JAWS, NVDA, VoiceOver, TalkBack
- ▸Bildschirmlupen: ZoomText, Magnifier
- ▸Barrierefreiheits-Einstellungen der Betriebssysteme (Windows, macOS, iOS, Android)
- ▸Navigations-Apps: BlindSquare, Lazarillo
- ▸Vorlese- und OCR-Apps: Envision Glasses, Seeing AI, Microsoft Seeing AI
- ▸Diktierfunktionen und Sprachsteuerung im Beruf und Alltag
Kontakt: Über BFW, DBSV-Akademie, Blindeninstitute und IT-Reha-Trainer
Berufliche Rehabilitation
Die berufliche Reha unterstützt bei Arbeitsplatzanpassung, beruflicher Qualifizierung und Wiedereinstieg nach Sehverlust. Ziel ist die dauerhafte Teilhabe am Arbeitsleben.
- ▸Technische Ausstattung: großbildfähige Monitore, Screenreader-Lizenzen, Dokumentenkameras
- ▸Schulungen im Umgang mit berufsspezifischer Software
- ▸Bewerbungstraining und Arbeitserprobung
- ▸Gefahrenstoffanalyse am bestehenden Arbeitsplatz
- ▸Gespräche mit dem Arbeitgeber und Sensibilisierung des Teams
- ▸Finanzierung über Rentenversicherung (§ 15 SGB VI) oder Agentur für Arbeit (§ 33 SGB III)
Kontakt: Agentur für Arbeit / Reha-Beratung • www.arbeitsagentur.de
blista – Deutsche Blindenstudienanstalt (Marburg)
Die blista bietet schulische und berufliche Rehabilitation unter einem Dach und ist eine der wichtigsten überregionalen Anlaufstellen für junge Menschen mit Sehbehinderung.
- ▸Allgemeinbildende Schule bis Abitur mit Internatsunterbringung
- ▸Berufsschule und Berufsvorbereitung
- ▸Studienvorbereitung in Kooperation mit dem BliZ an der Hochschule Merseburg
- ▸Eigenes Medienzentrum: Unterrichtsmaterialien in Braille und Großdruck
- ▸Überregionale Reha-Plätze für junge Erwachsene aus ganz Deutschland
Kontakt: www.blista.de
Reha-Antragstellung – Ablauf und Tipps
Der Weg zur Rehabilitation beginnt mit dem Reha-Antrag. Ein strukturierter Ablauf hilft, Fehler zu vermeiden und die Chancen auf Bewilligung zu erhöhen.
- ▸Schritt 1: Antrag bei Reha-Beratung der Agentur für Arbeit oder Rentenversicherung einreichen
- ▸Schritt 2: Ärztliche Befundberichte, Sozialbericht und Gutachten beifügen
- ▸Schritt 3: Träger prüft (4–8 Wochen) und entscheidet über Art, Ort und Dauer
- ▸Schritt 4: Reha-Platz-Zuweisung (Wartezeit möglich)
- ▸Tipp: Antrag frühzeitig stellen, Unterlagen vollständig einreichen
- ▸Tipp: Bei Ablehnung Widerspruch innerhalb eines Monats einlegen
- ▸Kostenlose Beratung: VdK, DBSV, Sozialdienste
Kontakt: Formulare: www.deutsche-rentenversicherung.de • Beratung: VdK, DBSV
Zuschüsse und Finanzierung der Rehabilitation
Rehabilitationsleistungen können über verschiedene Träger finanziert werden. Mehrere Träger können parallel zuständig sein – der trägerübergreifende Reha-Antrag wird automatisch weitergeleitet.
- ▸Rentenversicherung: Medizinische + berufliche Reha für erwerbsfähige Erwachsene
- ▸Krankenkasse: Heilmittelverordnung, ambulante Reha bei medizinischer Notwendigkeit
- ▸Agentur für Arbeit: Berufliche Reha, Arbeitsassistenz, technische Hilfsmittel
- ▸Integrationsamt: Ausstattung und Zuschüsse für schwerbehinderte Menschen
- ▸Versorgungsamt / Sozialamt: Hilfe bei finanziellen Härten
- ▸Stiftungen (Aktion Mensch, Stiftung Wohlfahrtspflege): Zuschüsse für nicht-übernommene Hilfsmittel
Kontakt: Rentenversicherung • Krankenkasse • Agentur für Arbeit • Integrationsamt
Hinweis: Zuständigkeiten unterscheiden sich regional. Klären Sie Kostenübernahme und Zuweisung frühzeitig mit Ihrer Krankenkasse, der Rentenversicherung oder der Agentur für Arbeit. Ein Reha-Antrag kann mehrere Wochen Bearbeitungszeit erfordern. Bei Ablehnung: Innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen und kostenlose Sozialberatung (VdK, DBSV) in Anspruch nehmen.