Screenreader
NVDA, JAWS, VoiceOver und TalkBack: was sie können, was sie kosten und die wichtigsten Befehle.
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Technik & Apps
Der beste Screenreader ist nicht automatisch der bekannteste. Entscheidend ist, wie zuverlässig er mit Ihren Geräten und Programmen arbeitet – und wie schnell Sie damit zurechtkommen.
Funktionslisten helfen nur begrenzt. Wichtiger sind praktische Fragen:
NVDA (NonVisual Desktop Access) ist ein Open-Source-Screenreader für Windows, entwickelt von der gemeinnützigen Organisation NV Access. Er wird regelmäßig aktualisiert und ist kostenlos; NV Access finanziert sich über Spenden.
JAWS (Job Access With Speech) von Freedom Scientific ist seit Jahrzehnten der verbreitetste kommerzielle Screenreader für Windows.
Die in Windows eingebaute Sprachausgabe hat sich stark verbessert und genügt für einfache Aufgaben. Sie ist praktisch, um an einem fremden Computer schnell Zugang zu bekommen oder NVDA zu installieren. Als Hauptwerkzeug für den ganzen Tag bevorzugen die meisten Menschen NVDA oder JAWS. Starten mit Windows + Strg + Eingabe.
VoiceOver ist in jedem iPhone, iPad und Mac eingebaut. Auf dem iPhone gilt es für viele blinde Menschen als besonders ausgereift: Die Gestensteuerung ist durchdacht, und die meisten großen Apps sind gut damit bedienbar. Auf dem Mac ist VoiceOver ebenfalls vollständig nutzbar, die Bedienung unterscheidet sich aber deutlich von Windows-Screenreadern und erfordert Umgewöhnung.
TalkBack ist der Screenreader von Google für Android. Er ist auf den meisten Android-Geräten vorinstalliert oder lässt sich aus dem Play Store laden. Die Bedienung erfolgt mit Gesten ähnlich wie bei VoiceOver. Weil Hersteller Android unterschiedlich anpassen, kann das Verhalten je nach Gerät variieren – Pixel-Geräte von Google und Samsung-Geräte gelten als gut unterstützt.
Orca ist der Screenreader für den Linux-Desktop GNOME. Er ist kostenlos und für technisch versierte Nutzerinnen und Nutzer eine Alternative, erreicht aber nicht die Verbreitung der Windows-Lösungen.
Alle genannten Screenreader können Braillezeilen ansteuern. Bei Windows-Screenreadern hängt die Unterstützung eines bestimmten Modells vom Treiber ab; die gängigen Geräte werden aber von NVDA und JAWS unterstützt. VoiceOver und TalkBack verbinden sich per Bluetooth mit vielen Braillezeilen. Fragen Sie beim Kauf einer Braillezeile ausdrücklich nach der Kompatibilität mit Ihrem Screenreader.
Ja. Beide lassen sich auf demselben Computer installieren; es sollte aber immer nur einer laufen. Viele Profis nutzen NVDA als Ausweichlösung, wenn eine Anwendung mit JAWS Probleme macht, oder umgekehrt.
Für den Arbeitsplatz übernehmen in der Regel Rentenversicherung, Agentur für Arbeit oder Integrationsamt die Lizenz. Für den privaten Gebrauch kann ein Antrag bei der Krankenkasse Erfolg haben, wenn die Notwendigkeit begründet wird; da NVDA kostenlos ist, wird das aber oft kritisch geprüft.
Blinden- und Sehbehindertenvereine, EUTB-Stellen und Selbsthilfegruppen beraten kostenlos – oft von Menschen, die selbst sehbehindert sind.