Technik & Apps

KI-Apps, die Bilder beschreiben

Smartphone auf die Szene richten, und eine KI beschreibt, was zu sehen ist: Diese Apps sind für viele blinde und sehbehinderte Menschen zu einem täglichen Werkzeug geworden. Was sie können – und wo man vorsichtig sein sollte.

Veröffentlicht am · Aktualisiert am · 2 Min. Lesezeit

Wofür die Apps im Alltag genutzt werden

  • Post sortieren und Briefe vorlesen lassen,
  • Verpackungen, Etiketten und Mindesthaltbarkeitsdaten lesen,
  • Kleidung nach Farbe und Muster auswählen,
  • Fotos von Familie und Freunden beschrieben bekommen,
  • Anzeigen an Geräten wie Waschmaschine oder Heizung ablesen,
  • sich in einem unbekannten Raum einen Überblick verschaffen.

Be My Eyes mit Be My AI

Be My Eyes verbindet blinde und sehbehinderte Menschen seit vielen Jahren per Videoanruf mit sehenden Freiwilligen. Die integrierte Funktion „Be My AI“ beschreibt ein aufgenommenes Foto ausführlich; anschließend können Sie per Text oder Sprache nachfragen, zum Beispiel „Was steht auf dem Etikett?“. Die große Stärke: Hilft die KI nicht weiter, ist ein Mensch nur einen Tipp entfernt. Die App ist kostenlos, auf Deutsch verfügbar und für iPhone und Android erhältlich. Einige Unternehmen bieten über Be My Eyes zudem einen barrierefreien Kundendienst per Video an.

Seeing AI von Microsoft

Seeing AI ist kostenlos für iPhone und Android und arbeitet mit verschiedenen Modi:

  • Kurzer Text: liest sofort vor, was vor der Kamera steht – ohne Auslösen.
  • Dokument: hilft beim Ausrichten der Kamera und erfasst ganze Seiten.
  • Produkte: erkennt Artikel über den Barcode.
  • Szene und Personen: beschreibt Umgebung und Menschen.
  • Weitere Kanäle: zum Beispiel für Geldscheine, Farben, Licht und Handschrift.

Google Lookout

Lookout ist die kostenlose App von Google für Android. Sie bietet Modi für Text, Dokumente, Lebensmitteletiketten, Geldscheine und das Erkunden der Umgebung und kann Bilder beschreiben. Auf vielen Android-Geräten ist Lookout eine gute erste Wahl, weil es sich nahtlos ins System einfügt.

Envision

Envision bietet Texterkennung, Dokumentscan, Szenenbeschreibung und einen KI-Assistenten, dem Sie Fragen zu einem Dokument stellen können. Das Unternehmen entwickelt außerdem eine Kamerabrille, mit der die Funktionen ohne Smartphone in der Hand nutzbar sind.

Allgemeine KI-Assistenten

Auch KI-Assistenten wie ChatGPT, Google Gemini oder Microsoft Copilot können Fotos beschreiben und Fragen dazu beantworten. Einige bieten einen Sprachmodus, in dem die KI live durch die Kamera schaut und fortlaufend antwortet. Das kann beim Suchen eines Gegenstands oder beim Bedienen eines Geräts helfen. Solche Assistenten sind allerdings nicht speziell für blinde Menschen entwickelt; ihre Bedienung mit Screenreadern ist unterschiedlich gut. Mehr im Beitrag KI-Assistenten im Alltag.

Welche App wofür?

Stärken der Apps im Überblick
AufgabeGut geeignet
Kurzen Text sofort vorlesenSeeing AI (Kurzer Text), Lookout (Text)
Brief oder mehrseitiges DokumentSeeing AI (Dokument), Envision, Lookout (Dokumente)
Ausführliche Bildbeschreibung mit RückfragenBe My AI, allgemeine KI-Assistenten
Produkt im Supermarkt erkennenSeeing AI (Barcode), Lookout (Lebensmittel), Be My Eyes
Etwas Wichtiges sicher klärenBe My Eyes mit sehenden Freiwilligen

Grenzen: Wann Sie vorsichtig sein sollten

  • KI kann sich irren. Sie beschreibt manchmal Dinge, die nicht da sind, oder liest Zahlen falsch. Bei Medikamenten, Dosierungen, Beträgen und Haltbarkeitsdaten prüfen Sie wichtige Angaben mit einer zweiten App oder einer sehenden Person.
  • Nicht im Straßenverkehr verlassen. Eine Bildbeschreibung ersetzt weder Langstock noch Mobilitätstraining.
  • Datenschutz: Die meisten Beschreibungen entstehen auf Servern der Anbieter. Fotografieren Sie Ausweise, Kontoauszüge und Befunde nur, wenn Sie der App vertrauen, und lesen Sie die Datenschutzhinweise.
  • Andere Menschen: Fragen Sie, bevor Sie Personen fotografieren und beschreiben lassen.

Quellen und weiterführende Links

Persönliche Beratung finden

Blinden- und Sehbehindertenvereine, EUTB-Stellen und Selbsthilfegruppen beraten kostenlos – oft von Menschen, die selbst sehbehindert sind.